Kühne Innenarchitektur von den jungen Talenten auf der Design Parade Toulon


Mut zur Farbe

Die Gewinner*innen des diesjährigen Design Parade Festivals stehen fest und es ist vor allem ihr Mut, der uns mächtig beeindruckt hat. Als älterer Teil des Festivals konnte sich die Design Parade Hyères während der letzten zehn Jahren zur Plattform für aufstrebende Talente im Bereich Objektdesign etabliert. Dagegen ist die Design Parade Toulon in ihrem dritten Jahr zu einem wundervollen Ausstellungsort für innovative Innenausstattung geworden.

Zwei der zehn ausgestellten Projekte in Toulon wurden mit dem Van Cleef & Arpels Grand Prix ausgezeichnet, der mit jeweils 5.000 Euro dotiert ist: Grotto von Kim Haddou und Florent Dufourcq verzauberte die Jury mit seiner strukturierten und dennoch luftig-leichten Raffinesse. Der Raum wird, abgesehen von der in knalligem Sonnengelb gestreiften Decke, von einer strengen Farbpalette in Weiß und Terrakotta bestimmt. The Corniche’s Secret von Antoine Chauvin hingegen besticht durch seine sparsame  Eleganz, in der puristische und einfache geometrische Formen in dunklem Blau und getöntem Weiß dominieren.

Der Preis Eyes on Talents x Frame Special Mention ging an Bérengère Botti und Sophie Genestoux für ihr Interieur En Trompe-L’Oeil. Diese Arbeit zelebriert die optische Wirkung geflieste Wände und Decken, die gelegentlich von scheinbaren Torbögen unterbrochen werden. Der Raum erinnert auf zurückhaltende Weise an die Traumwelten Nanda Vigos.

Die Design Parade Toulon zeigte neben Installationen der jungen Teilnehmer*innen auch Ausstellungen einiger etablierter Innenarchitekt*innen. Pierre Yovanovitch, der in diesem Jahr die Jury leitete, schuf eine Reihe von weitläufigen, provokanten Räumen, die jeweils von einer anderen leuchtenden Farbpalette bestimmt sind. In der immersiven Installation von Pierre Marie dagegen werden dunkle Schatten von Buntglasfenstern in Szene gesetzt.

Aber wirklich alle Installationen der diesjährigen Design Parade Toulon waren inspirierend: die Art und Weise, in der Designer*innen die jeweilige Architektur mit Hilfe gewagten Wanddekors einbezogen, die Auswahl prägnanter Silhouetten und besonders die ausnahmslos markanten Farbpaletten, die noch vor fünf Jahren als zu extravagant gegolten hätten. Unsere Slideshow oben widmet sich diesen vielversprechenden jungen Innenarchitekt*innen.

Eine der diesjährigen Teilnehmenden in Hyères, Anaïs Borie, übernahm während der Design Parade unsere Instagramseite. Doch keine Sorge: alle, die es verpasst haben, können ihre Einträge in unseren IG Stories nachverfolgen.

L'Érotomanie de Mademoiselle Oops von Pierre Yovanovitch, Jurypräsident der Design Parade Toulon Foto © Lothaire Hucki für Villa Noailles Die Design Parade Hyères, das 13. Internationale Festival für Design, und die Design Parade Toulon, das 3. Internationale Festival für Innenarchitektur, sind noch bis zum 30. September 2018 zu sehen.

  • Übersetzung von

    • Hanna Komornitzyk

      Hanna Komornitzyk

      In ihrer Freizeit widmet sich Hanna den neusten US-Serien, langen Laufrunden an der Spree und dem kulturellen Leben Berlins. Ihre erste große Liebe war die Kunst, dicht gefolgt von SciFi und Arthouse-Filmen, Indie und Alternative, Bauhaus und Grafikdesign. Neben dem Übersetzen findet sie Entspannung vor allem im Web, wo sie stundenlang imaginäre Wohnräume mit minimalistischer, leicht verträumter Designerware einrichtet. Hanna ist in der westfälischen Provinz aufgewachsen und kam für einen Master in English Studies nach Berlin.

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