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Béton Bruts Sophie Pearce & Pamonos Órlaith Moore schwärmen vom Mid-Century Modern Design


Neulich in der Galerie

Von Órlaith Moore

Was passiert wenn sich zwei passionierte Designliebhaberinnen in einem Raum voller außergewöhnlicher Möbel und Beleuchtung aus dem 20. Jahrhundert begegnen? Sie kommen natürlich ins Schwärmen! Orlaith Moore von Pamono hat kürzlich Sophie Pearce an einem Frühlingsmorgen in Béton Brut, ihrem fantastischen Vintage Paradies in Ost-London, besucht. Hier sind die Höhepunkte ihrer gemeinsamen Ode an die Mid-Century Moderne.

Órlaith Moore: Aber was gefällt dir am meisten am Design der Nachkriegszeit?

Sophie Pearce: Hmm... Ich würde sagen, dass es beim modernen Design vor allem darum geht zu reduzieren", also das Design auf seine reinste Form und Funktion zu bringen. Die Schönheit liegt in der Schlichtheit, dem bildlichen Ausdruck von Jugendlichkeit.

Genau deswegen haben sich diese Designs gehalten; es ist fast so als ob…

ÓM: Als ob sie zeitlos wären?

SP: Ja, ich meine, ein Kreis, ein Quadrat, ein Dreieck; einfachere Formen gibt es doch nicht, nicht wahr? Oder Primärfarben wie Rot, Blau und Gelb. Das sind jeweils ein so reiner und befriedigender Ausdruck von Form.

ÓM: Gibt es am Nachkriegsdesign etwas, das dir nicht gefällt? Ein bestimmtes Design, das du nicht in deiner Galerie ausstellen würdest oder etwas, von dem du sagen würdest, es sei außerhalb deines Interessenbereichs?

SP: Allgemein bin ich auf Stücke spezialisiert, die von Architekten entworfen wurden. Das heißt, die meisten Objekte, die ich verkaufe, wurden von Architekten konzipiert. Nicht alle, aber sehr viele. Deswegen haben sie häufig... Das ist jetzt ein ziemlich naheliegendes Wort, aber sie haben eine architektonische" Form. Sie sind skulptural und die Linien und Formen stehen im Mittelpunkt. Außerdem bevorzuge ich es mit Exemplaren zu handeln, die nicht mehr hergestellt werden und wahrscheinlich nicht wieder in Produktion gehen. Ich muss die Sachen selber mögen!

Als Händlerin bin ich ständig von Mid-Century Designs umgeben und deswegen gefallen mir Dinge, die ich noch nicht so häufig gesehen habe. Ich habe genug von diesem Meer an dänischem Teak , das die Epoche so häufig charakterisiert, oder vielleicht auch karikiert. Zur Zeit interessiere ich mich eher für die niederländische Moderne, die…

ÓM: Etwas industrieller ist?

SP: Genau, sie ist etwas robuster und noch reduzierter. Die italienische Moderne und Postmoderne interessieren mich auch zunehmend. Ich denke, diese beiden Bereiche werden die nächsten Trends innerhalb der Nachkriegsmöbel werden.

ÓM: Das wollte ich gerade fragen. Glaubst du Mid-Century verschwindet irgendwann? Was kommt danach oder was wird es ersetzen?

SP: Das ist es eben... Es ist wirklich beruhigend, dass es im Design des 20. Jahrhunderts so viele Untergattungen gibt. Der UK-Markt fängt erst jetzt an sich für die niederländische Moderne zu interessieren. Genauso sieht es mit der italienischen Spätmoderne und der frühen Postmoderne aus. Ich würde sagen, dass die Postmoderne mit der kürzlichen Auktion von David Bowies "Memphis Collection" ein neues Level an öffentlicher Aufmerksamkeit erreicht hat und nicht mehr nur in der kleinen Blase von Sammlern existiert. Man kann damit in so viele Richtungen gehen.

ÓM:  Kannst du einige Stücke nennen, die es dir wirklich angetan haben, die deinen Geschmack am besten beschreiben?

SP: Es gibt einige Designer, die mich im Augenblick sehr inspirieren. Einer davon ist der italienisch-schweizerische Architekt Mario Botta , der für diese unglaublichen Kirchen bekannt ist. Aber er hat auch fantastische Metalllampen und perforierte Metallstühle entworfen—alle sind Ausdruck seiner Gebäude. Er fasziniert mich momentan sehr.

Von dem radikalen italienischen Architekturkollektiv Superstudio bin ich auch begeistert. Ihr Quaderna Tisch— im Grunde ein weißer Laminattisch mit einem schwarzen Gittermuster—sieht so schlicht aus, hat aber tatsächlich eine sehr komplizierte Wabenstruktur. Würde er aus massiven Platten oder Holz bestehen, könnte man ihn nicht einmal anheben. Was also außen sehr kantig und gerade aussieht ist im Inneren in Wirklichkeit sehr organisch­—wie ein Bienenstock. Es kann schwer sein Vintage Exemplare zu finden, wenn ich eines sehe, dann greife ich zu!

Wenn es um britisches Design geht, dann bewundere ich besonders Robin Day, der nicht direkt Architekt ist, aber definitiv eines unserer größten Talente. In den letzten Jahren hat er viel Anerkennung für sein Lebenswerk bekommen, wie zum Beispiel die Retrospektive im V&A 2015. Sein klassischer Polypropylene Stuhl wurde millionenfach hergestellt und hatte großen Einfluss auf die britische Designkultur. Er erfand eine neue Art Kleber, um Schichtholz zu binden, sodass dieser in zwei Richtungen gebogen werden konnte und trotzdem stabil blieb. Ich liebe diese kleinen Leckerbissen an Geschichte.

ÓM: Auf jeden Fall, ich glaube, der Polyprop ist ein Stuhl, den jeder kennt—selbst wenn sie vielleicht nicht wissen, dass sie ihn kennen.

SP: Genau! Day hat unser Leben beeinflusst, auch das derer, die ihn nicht kennen. Deswegen sammle ich privat seine Werke.

ÓM: Welche Designs spielen für dich im Alltag eine Rolle? Gibt es Stücke, die dein Leben leichter machen? Fällt Robin Day in diese Kategorie?

SP: Ja, tut er. Es gibt das berühmte Motto des dänischen Designers Hans Wegner (und ein Buch, das sein Werk zusammenfasst): "Just one good chair". Wegner strebte ein Leben lang danach, einen richtig guten Stuhl zu entwerfen—und das obwohl er ungefähr 600 Stühle konzipiert hatte. Und bei Day war das auch so, er war besessen von der Vorstellung, den ultimativen Stuhl zu kreieren. Mit seinem Reclining Stuhl war er besonders zufrieden und ich habe einen zuhause. Der Stuhl hat einen leichten Rahmen aus Stahlstangen, weshalb er so aussieht, als würde er schweben. Aber gleichzeitig ist die gepolsterte Auflagefläche sehr bequem und ergonomisch und im perfekten Winkel angebracht. Auch die Kopflehne ist perfekt an den Nacken angepasst. Dazu kommen noch die breiten Armstützen aus Holz, die fast wie Paddel aussehen und als Beistelltisch genutzt werden können. Ich verwende diesen Stuhl jeden Tag und für mich ist er der ultimative Ausdruck von Komfort.

ÓM: Hast du irgendwelche Tipps für neue Sammler oder Designliebhaber, die gerade erst damit anfangen Vintage Design zu kaufen?

SP: Ich meine das Offensichtlichste ist, dass man etwas wählen sollte, das einem gefällt und seinem Auge vertrauen sollte—so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man lange Freude an den Sachen hat. Wenn es mehr um das Sammeln geht, sollte man nach Dingen suchen, die man nicht häufig sieht. Zum Beispiel etwas gut designtes oder wunderschön gebautes.

Ich habe gerade einen Stuhl von Ruud Jan Kokke , den Latjes Stoel, in meiner Galerie. Er besteht aus vielen, vielen winzigen Eichenstäben, die alle kompliziert in den Sitzrahmen eingefügt sind. Er wirkt sehr zerbrechlich, wenn man sich vorstellt auf lauter Spindelstäben zu sitzen, die weniger als 1 cm breit sind. Der Stuhl ist aber so hervorragend konzipiert, dass das Gewicht gleichmäßig auf die Teile verteilt wird und er in Wirklichkeit sehr stabil ist. Auch wenn noch nicht viele Leute von Jan Kokke gehört haben, geht es darum, dass dieses Stück wunderschön und interessant und selten ist—zu kompliziert für Massenproduktion und daher nur auf Bestellung für private Kunden hergestellt. All das macht dieses Stück zu etwas Besonderen und sehr Begehrtem.

ÓM: Danke, dass du ihn mir gezeigt hast! Er ist großartig.

SP: Sehr gerne. 

  • Text by

    • Órlaith Moore

      Órlaith Moore

      Originally from Ireland, Órlaith studied French and history, and inevitably fell in love with architecture and design while working as a tour guide on the Eiffel Tower. Since moving to Berlin, she’s committed to creating a beautiful, encyclopedic guide of vintage designers for Pamono, mastering the complexities of German grammar, and discovering every Biergarten in the city. 

  • Photos by

    • Marco Lehmbeck

      Marco Lehmbeck

      Aufgewachsen ist Marco zwischen Seen und Wäldern in der Nähe von Berlin. Er studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim sowie Fotografie in Berlin. Marco ist Organisationsmitglied des Immergut Musikfestivals für Indie- und Poprock, liebt Backpacking, Club Mate und Avocados. Und er trägt immer einen Hut.

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