Der Berliner Designer und Unternehmer Moritz Bannach startet durch


Große Träume in der großen Stadt

Von Emma Lucek

Es gibt die gängige Vorstellung, Designer*innen wären geplagte Seelen; dass sie lieber in ihrer eigenen Welt leben als in der Realität, und dass ihnen die geschäftliche Seite ihres Metiers nur wenig zusagt. Moritz Bannachist das lebende Gegenbeispiel zu diesem veralteten Vorurteil. Zum einen ist er ein durchaus sensibler Kunstschaffender, zum anderen verkörpert er auch das zeitgenössische, kreative Design-Unternehmertum.  

Ich traf mich Ende letzten Jahres mit Moritz in seiner Berliner Wohnung; ein ruhiges, ordentliches und inspiriertes Zuhause, das die Persönlichkeit seines Bewohners widerspiegelt. Selbst sein Vision Board wirkt sehr strukturiert. Bannach ist ein Mann mit einem Plan und seitdem er seine nach ihm benannte Marke 2018 ins Leben gerufen hat, wird dieser Plan Realität. Sein Abbondio Tisch gewann den German Design Award 2019 und vor kurzem wurde er für den YoungICONs Award nominiert. Obwohl er sein Unternehmertum soweit als Einzelkämpfer betreibt, gelingt es ihm, die steigende Flut von Aufträgen und Presseanfragen zu meistern - selbst nach einem anscheinend überwältigendem und erfolgreichem ersten Jahr.  

Es gibt eine Fülle interessanter Details in Bannachs Wohnung - wie zum Beispiel der Esstisch, auf dem sich zwei sorgfältig nach Kategorien aufgeteilte Zeitschriftenstapel zum Thema Design türmen; ein Stapel für die Zeitschriften, in denen seine Arbeit präsentiert wird und ein Stapel, aus dem er Inspirationen sammelt. Aber am  Auffälligsten in seinem Zuhause ist ein furchtloses, aber dennoch harmonisches Zusammenspiel an Farben. Er berichtet, dass seine Mutter, eine Grafikdesignerin, ihn und seine Schwester von Kindesalter an mit einer intensiven Vorliebe für Farben erzogen hat. Das überrascht auch nicht, wenn man mit den Designs von Moritz vertraut ist.

Moritz Bannach Foto © Ramtin Zanjani für Pamono Eine Reihe von Gemälden stechen ebenfalls ins Auge. Bereits am Eingang finden sich ein paar unvollendete Bilder mit kräftigen Farben und Gesten, welche - wie er mir berichtet - in Teamarbeit entstanden sind. Als sie jung waren, arbeiteten seine Mutter und seine Schwester gemeinsam mit ihm daran. Ein weiteres Bild, welches mein Favorit ist, hängt im Schlafzimmer und es erinnert mich an die Schwammreliefs von Yves Klein im klassischen Blauton des Künstlers. Dieses Gemälde wurde ebenfalls in Zusammenarbeit mit seiner Familie geschaffen, als Moritz gerade mal acht Jahre alt war.

Ich frage Bannach nach seinen Inspirationsquellen, woraufhin er ausgiebig über Strömungen aus dem 20. Jahrhundert sinniert, wie zum Beispiel dem Purismus, Memphis oder der Moderne. Die Anhaltspunkte dafür finden sich überall: Es gibt mit Lesezeichen versehene Bände über die Arbeit von Donald Judd und Josef Albers und gleich daneben einen ganzen Stapel Zeitschriften. Außerdem sind die Bücherregale gefüllt mit Monografien über Gerhard Richter, Hella Jongerius, Frank Stella und vielen mehr.

Abgesehen von seinen ästhetischen Tendenzen, wird Bannach von einer spürbaren Leidenschaft getrieben, etwas Großartiges zu schaffen. Er ist gerade mal knapp über 30, hat sich aber bereits einem Pfad verschrieben, auf dem er später nichts bereuen wird: „Ich möchte arbeiten, bis ich sterbe!” sagt er mit einem Lächeln. Sein Traum besteht darin, sich mit dem was er tut, finanziell unabhängig zu machen.

„Ich bin kein Finanzexperte. Dieser Prozess begann, als ich meinen Job bei Dopo Domani beendete. Ich habe Seminare besucht, in denen es darum ging, wie man sein eigenes Geschäft aufbaut. Es war großartig, zu diesem Zeitpunkt in Berlin zu sein, weil diese Stadt viele Möglichkeiten bietet, sich selbstständig zu machen.” Nachdem er sich das notwendige Wissen angeeignet hatte, tat er sich mit einem Geschäftsberater zusammen, mit dem er einen Plan entwickelte. „Um Prototypen zu entwerfen, musste ich zunächst etwas Kapital haben, und ich musste der Bank mit detaillierten Geschäftsplänen darlegen, dass mein Konzept solide war.”

Ich frage Bannach, was die Vorteile sind, wenn man in Berlin produziert. „Anfangs standen bei mir natürlich Pragmatik, Funktionalität und Logistik im Vordergrund, als ich damit begann meine Werke in Berlin zu produzieren. Aber ich merke jetzt, dass weitere Gründe dafür sprechen. Berlin hat einen guten internationalen Ruf und die Stadt fördert weiterhin eine wachsende, moderne und experimentierfreudige Atmosphäre. Ich arbeite eng mit der Tischlerei zusammen, in der meine Werke produziert werden und ich habe viel darüber gelernt, worauf man achten muss, wenn man Möbelstücke entwirft und herstellt. Es hat etwas Emotionales, wenn man persönlich dabei sein kann und man weiß, dass es die eigenen Stücke sind, die dort hergestellt werden - von Leuten, die man kennt. Außerdem liebe ich den Geruch von Holz wirklich sehr.”

Bannach ist sich auch der Schmerzen bewusst, die mit dem Wachstum einhergehen. Er freut sich zwar darauf, seine nächsten Projekte bald angehen zu können, wie etwa eine Kollektion von Wohnaccessoires aus Marmor, doch er weiß auch, dass er keine so enge, familienähnliche Beziehung zu den Steinbrüchen und Steinmetz*innen in Italien haben wird. Er wird aber sicherlich dazulernen und scheint zudem auf einem guten Weg zu sein. Wir werden ihn fest im Auge behalten!

  • Fotos von

    • Ramtin Zanjani

      Ramtin Zanjani

      Ramtin wurde in Teheran geboren, aber ist seit acht Jahren in Berlin zu Hause. Er hat umfassende Erfahrung in der Werbefotografie, ist um die ganze Welt gereist und hält es für überaus romantisch, zu summen und dabei Knoblauch fein zu hacken.

  • Text von

    • Emma Lucek

      Emma Lucek

      Die England geborene Emma hat polnische Wurzeln und lebt momentan in Berlin. Mit ihren Erfahrungen im Bereich Forschung und Design findet sie nicht nur tolle neue Händler*innen für Pamono, sondern schreibt seit kurzem auch kritische Texte über Kunst, Architektur, Kulturgeschichte und natürlich Design.

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