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Eine neue Messe in Basel


Tresor

Von Anna Carnick

Vergangene Woche eröffnete die Stadt Basel ihre Türen für eine neue internationale Messe, die Tresor Contemporary Craft. Wir waren an Ort und Stelle, um das Debut der Messe live mitzuerleben und freuen uns berichten zu dürfen, dass die Eröffnung ein wahres Vergnügen war. Angeboten wurde eine Reihe an hochwertigen Arbeiten von aufstrebenden Talenten und uns wohlbekannten Gesichtern. Wie wir von den beteiligten Galeristen und Kuratoren vernehmen konnten, waren die Verkaufszahlen sehr erfreulich.

Wir fragten Kurator Brian Kennedy nach der Idee hinter dem neuen Tresor Projekt und er erklärte uns, dass es schon lange Zeit für eine Messe war, die sich ernsthaft mit sammelwürdiger zeitgenössischer Handwerkskunst beschäftigt. „Hier kann man sehr viel für sein Geld bekommen, vor allem im Vergleich zu den Preisen auf der Kunstmesse Art Basel oder der Designmesse Design Miami/Basel.“ Auf der Tresor Messe konnten wir viele Arbeiten in Museumsqualität antreffen, die zwischen 1,00 CHF und 10,000 CHF und höher kosteten.

Wir waren sehr gespannt, wie die Veranstalter Handwerkskunst für den Zweck dieses Projekts definierten. Heutzutage findet man ein wachsendes Angebot an handwerklichen Verfahren im kreativen Spektrum, die für ihre einzigartige Schönheit und ihren Wert geschätzt werden. Handwerkskunst befindet sich momentan an der Grenze von zeitgenössischem Design und Kunst. Auf der Tresor Messe bot die Handwerkskunst ein großes Spektrum an Kunsthandwerksformen an, wie beispielsweise Keramik, Schmuck, Holzarbeit und weitere. Es gab jedoch auch Arbeiten, die manch einer eher der zeitgenössischen Kunst oder dem Contemporary Design zuschreiben würde. Hierzu zählen die theatralische Mischform aus Skulptur und Textil Lost in Time II der Norwegerin Andrea Scholze, der Goethe Kronleuchter, eine Zusammenarbeit der Studenten der ECAL und dem in Münchensteiner Glasbläser Matteo Gonet (auch bekannt als Glashütte), geleitet von der britischen Designerin Bethan Laura Wood.  

Diese lose Definition passt Kennedy ganz gut. Ihm zufolge ist der wesentliche kuratorische Faden der Tresor Messe die Erforschung von Materialität. „Man kann Kunsthandwerk nicht mehr in einem engen Rahmen definieren. Was ich momentan sehe, ist dass sich Kunsthandwerk aus verschiedensten Gründen in der Mitte von Kunst und Design platziert hat. Dinge, die ursprünglich in der Welt des Handwerks vorkommen würden, sind nun in der Kunstwelt anzutreffen, weil Künstler sich beispielsweise mehr der Materialität zuwenden und mit Lehm oder Textilien experimentieren. Wer dieses Jahr auf der Biennale in Venedig war, konnte dort einige Künstler entdecken, die schon länger zu der Welt des Kunsthandwerks gehören, wie etwa Sheila Hicks. Hier [auf der Tresor Messe] findet man viele Keramiken, die sich ebenfalls auf einer Kunstmesse gut präsentieren würden. Das gleiche gilt für Design; viele Designer erforschen neue Materialien und stellen ihre Werke aus verschiedensten Gründen selber her. Wir haben Leute hier, die ohne Probleme auf Designmessen ausstellen könnten, und das auch schon getan haben. Was ich also sagen will, ist das alles hier einen Materialitäten Ansatz hat. Dieser kann konzeptionell sein, führt aber immer zurück zum Wissen über und der Leidenschaft für das Material.“

Da Materialität und die Verschiebung von Grenzen im Mittelpunkt der Messe standen, gab es viele Highlights, die umwerfenden Gefäße der britischen Künstlerin Anna Dickinson mit einbezogen, eine Leihgabe einer privaten schweizer Sammlung. (Dickinsons Werke, ein wunderschöner Mix aus stimmungsvollen Juwelen- und Erdtönen, fühlen sich gleichzeitig zeitlos und sehr angesagt an.) Neben Dickinsons Werken konnte man die Arbeiten einer weiteren Britin bewundern. Tessa Eastman lebte ihre spielerische Ader durch ihre Alien-ähnlichen Keramiken Sprouting Limitless Cloud (2017) aus. Zwei der in Seoul ansässigen Galerien, Paik Hae Young Gallery und Gallery LVS, überzeugten mit Chung Hae Chos Rhythm of the Black Luster lackierten Hanfgefäßen und Kiho Kangs handgemachter, über-geometrischen Porzellan Vase Series. Die Brüsseler Puls Ceramics präsentierten untere anderem unglaublich feine, gemusterte Porzellanwerke des gefeierten dänischen Keramikers Bodil Manz neben wunderschön texturierten, asymmetrisch-organischen Werken von Dane Turi Heisselberg Perdersen.

Am Discovery Stand vereinten experimentelle Keramiken von Nachwuchstalenten Estelle Gassmann, Laurin Schaub und Anne Fischer, Tradition mit Innovation. Die Tresor Installation von Double Signature bediente sich ebenfalls diesen Konzepts. Die Wanderausstellung aus Kooperationen zwischen zeitgenössischen Designern und traditionellen Künstlern wurde von der Michelangelo Foundation koordiniert und präsentiert. Unter den Highlights hier waren unter anderen die Majolika Iridescences Reihe von Dimitri Bähler und Maurizio Tittarelli Rubboli; Opium lackierte Juwelenfarbene Wandschirme von Sebastian Herkner und Lucio Doro; The Unknown Planets Glasmosaik und Terrazzo Tische von Felix Muhrhofer and Fabrizio Travisanutto; und die farbenfrohen Resti Majolica Hocker von Sara Ricciardi und Nicolò Morales.

Zu guter Letzt zelebrierte der D.O.C. Stand seine heimischen Talente. Die Veranstalter Judith Keller und Fabiene Abrecht wurden ursprünglich damit beauftragt, Tresors VIP Programm zu organisieren, das aus Besuchen bei lokalen Sammlern, Galerie-Führungen und Atelierbesichtigungen bestehen sollte. Während den Vorbereitungen haben die beiden so viele Künstler in Basels Umgebung ausfindig machen können, dass sie letztendlich einen Stand für sie organisierten. Uns hat vor allem Arnold Annens papierdünne Limoges Porzellan-Reihe, Gabrièle Gisis Porcelain Army, eine Sammlung aus 120 skulpturalen Frauenkörpern aus einer einzigen Gussform, sowie Roman Kamms scheinbar der Schwerkraft trotzende Tisch The Word for Freedom is Failure, gefallen.

Zusammenfassend können wir sagen, dass es eine unvergessliche Messe war. Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr.





  • Text von

    • Anna Carnick

      Anna Carnick

      Als ehemalige Redakteurin bei Assouline, der Aperture Foundation, Graphis und Clear feiert Anna die großen Künstler. Ihre Artikel erschienen in mehreren angesehenen Kunst- und Kulturpublikationen und sie hat mehr als 20 Bücher herausgegeben. Sie ist die Autorin von Design Voices und Nendo: 10/10 und hat eine Leidenschaft für ein gutes Picknick.
  • Übersetzung von

    • Beata Konnak

      Beata Konnak

      Als gebürtige Polin lässt Beata nichts auf ihre Pierogi kommen. Ihre Kreativität lebt sie gerne in der Küche aus, wo sie zu Deutschrap den Kochlöffel schwingt. Als Sommerkind lässt sie keine Chance aus ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen, und ist dann meistens mit einem guten Buch in der Hand unterwegs. Die Wochenenden verbringt sie am liebsten mit Kurztrips durch Europa, wo sie immer auf der Suche nach dem schönsten Sonnenuntergang ist.

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